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Aus dem Werbelektorat: Sprachtipp 2/2016
Der Gedankenstrich (II) – so verwenden Sie ihn richtig


Der Gedankenstrich. So verwenden Sie ihn.

Der Gedankenstrich. So verwenden Sie ihn – richtig.

Im letzten Sprachtipp haben Sie einiges über die Länge des Gedankenstrichs erfahren. Heute geht es um seinen korrekten Einsatz. Dabei wird generell zwischen dem einfachen und dem doppelten Gedankenstrich unterschieden.

Der einfache Gedankenstrich
Der einfache Gedankenstrich tritt in einem Satz alleine auf. Er wird meist an Stellen verwendet, an denen eine Sprechpause liegt. Also dort, wo Sprecher oder Leser kurz innehalten. Das sind meist Stellen im Satz, an denen auch ein Komma, ein Doppelpunkt oder eine Klammer stehen könnten. Der einfache Gedankenstrich kündigt etwas an, das im Folgenden genannt wird. Oft ist dies etwas Unerwartetes. Im aktuellen Sprachgebrauch auch häufig etwas, was besonders hervorgehoben werden soll.

Ein Beispiel: „Der Klimawandel erfordert entschlossenes Handeln – auch von Seiten der Finanzwirtschaft.“, heißt es etwa auf der Website der Commerzbank. In diesem Satz zeigt der Gedankenstrich eine Sprechpause an. Gleichzeitig macht er neugierig auf das, was folgt. Mit einem schlichten Komma wäre der zweite Teil des Satzes weniger stark betont: „Der Klimawandel erfordert entschlossenes Handeln, auch von Seiten der Finanzwirtschaft.“

Der einfache Gedankenstrich wird außerdem immer häufiger in Überschriften verwendet. Hier kündigt er etwas an oder strukturiert die Überschrift. So sind in „Texten fürs Social Web“ von Florine Calleen (Rezension folgt) die Überschriften größtenteils nach demselben Muster aufgebaut: „Der blaue Riese – Facebook“, „Sag’s mit 140 nur – Twitter“, „Businesskontakte unter DACH und Fach – XING“. Hier hätte jeweils ein Doppelpunkt stehen können. Meine Meinung zum Gedankenstrich in Überschriften: Das ist ein Modeerscheinung – eine, die ich selbst gerne und oft nutze. Was früher der Doppelpunkt war, ist heute der Gedankenstrich. Mal sehen, wie das in zehn oder fünfzehn Jahren aussehen wird …

Daneben wird der einfache Gedankenstrich verwendet, um eine Auslassung zu kennzeichnen. Etwa im Beispielsatz im Duden : „‚Sei still, du –!‘, schrie er ihn wütend an.“ Oder auch, um zwischen Sätzen einen Wechsel des Themas oder des Sprechers anzuzeigen. Auch hierzu ein Beispiel aus dem Duden: „Wir sprachen in der letzten Sitzung über die Frage der Neustrukturierung unserer Abteilung. – Ist übrigens heute schon die Post gekommen?“ (thematischer Umschwung)

Der doppelte Gedankenstrich
Der doppelte oder auch paarige Gedankenstrich tritt in einem Satz immer mit Partner auf. Zwischen den beiden Gedankenstrichen stehen entweder Zusätze oder Nachträge. Kurz: Ein Inhalt, der zwar zum Satz gehört, aber ebenso gut durch Kommata oder Klammern davon getrennt sein könnte.

So heißt es im Leitfaden Freies Lektorat des VFLL zum Thema Finanzkommunikation: „Sie informiert – stark vereinfacht – über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens und bedient sich dazu unter anderem folgender Instrumente: …“ Kommata anstelle des paarigen Gedankenstrichs würden den Satz unübersichtlicher machen. Der doppelte Gedankenstrich strukturiert besser, als es Kommata könnten. Gerade bei längeren Einschüben zeigt er seine Kraft, Sätzen mehr Struktur zu verleihen, und sie damit zu vereinfachen.

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Im nächsten „Sprachtipp aus dem Werbelektorat“ erfahren Sie, wie sich der Gedankenstrich beim Zusammentreffen mit anderen Satzzeichen verhält? Bleiben Komma, Punkt, Doppelpunkt, Ausrufe- und Fragezeichen – trotz Gedankenstrich – erhalten?

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Die Autorin, Kerstin Schuster, ist Texterin und Freie Lektorin mit Schwerpunkt Wirtschaft und Finanzen.
Kontakt: Tel. 07621 1605700, info(at)kerstinschuster.de, www.kerstinschuster.de

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