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Werbelektorat – bunt, vielfältig, unentbehrlich?


Die bunte Vielfalt der Werbetexte

Bunte Vielfalt der Werbetexte – ein Werbelektorat bearbeitet sie alle. ©Tomizak / pixelio.de

Reihe »Werbelektorat«, Teil 1

Die Arbeit eines Werbelektorats ist ebenso bunt und vielfältig wie die Texte, die es bearbeitet. Werbetexte reichen von der Anzeige, über Produkt- und Imagebroschüren, Anschreiben und Antwortfaxe, Bestellanträge und Bankaufträge, Banner und Websiten, Visitenkarten und Briefpapier bis hin zu Plakaten und Katalogen. Beauftragt werden Werbelektorate von Werbe- und PR-Agenturen, von Grafik- und Satzbüros sowie Textern. Manche Definitionen beziehen auch Unternehmen als Auftraggeber mit ein, so etwa der Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren e. V. Hier hat sich aber parallel die Bezeichnung »Lektorat für Unternehmenskommunikation« eingebürgert, die auch ich so verwende. Aber das ist nur eine Frage der Perspektive. Viel wichtiger sind die Fragen: Wozu braucht man ein Werbelektorat? Und: Was kann es leisten?

Wozu brauchen Werbetexte ein Werbelektorat?

Warum brauchen Werbetexte überhaupt ein Werbelektorat? Texter haben doch tagein tagaus mit Sprache und Texten zu tun. Da sollten sie doch wissen, wie man was schreibt. An welcher Stelle ein Komma zu sitzen hat und ob eine bestimmte Wortkombination möglich ist – oder eben nicht. Aber ganz so einfach ist das nicht. Die deutsche Sprache ist eine Wissenschaft für sich. Sie hat wahrscheinlich mehr Regeln als die Côte d’Azur Sandkörner. Allein der »Duden – Die Grammatik« hat vom »Wort« bis zum »Satz« knapp 1.500 Einträge. Von der reformierten Rechtschreibung und den Regeln zu Interpunktion und Typografie möchte ich hier gar nicht erst anfangen …

Aber sehen wir einmal von den Feinheiten der deutschen Sprache und Rechtschreibung ab: Warum nutzen Texter und Agenturen Werbelektorate? Weil es einem Texter nicht anders geht als jedem anderen, der Texte schreibt: Er ist zu vertraut mit dem eigenen Text, mit den Formulierungen, die er üblicherweise verwendet. Und liest daher über Buchstabendreher hinweg und ergänzt fehlende Wortbestandteile oder ganze Wörter beim Lesen automatisch. Ohne zu merken, dass auf Papier oder Bildschirm etwas ganz anderes steht.

Denn bei eigenen Texten konzentriert man sich zwangsläufig mehr auf die Inhalte und die sprachliche Form. Für den Autor eines Textes schwingt beim Lesen immer eine ganze Reihe von Fragen mit: Habe ich den Sachverhalt richtig dargestellt, passt die Wortwahl zu Vorkenntnissen und Sprachgebrauch der Zielgruppe? Ist die Bildsprache stimmig? Bei den eigenen Texten fällt es extrem schwer, sich den Blick von außen zu bewahren, auf der Wort-, ja Buchstabenebene zu bleiben und jedes Komma zu beachten. Das geht auch mir so.

Was kann ein Werbelektorat leisten?

Ein Werbelektor hat diesen wichtigen Blick von außen. Den kritischen Blick, den ein Leser beim erstmaligen Lesen eines Textes einnimmt. Dieser macht es möglich, die Fehler zu finden, die man in seinen eigenen Texten nicht finden kann. Aber ein gutes Werbelektorat kann noch viel mehr: Es kann, zumindest in Teilen, den Blick der Zielgruppe auf den Text vorwegnehmen. Passen Stil, Wortwahl und sprachliche Bilder? Es achtet auf korrekte Typografie, merkt Fehler im Layout an. Es achtet auf einheitliche Schreibweisen und erstellt nebenbei Wording-Listen. Und – wenn es auch noch thematisch versiert ist – merkt an, wenn Inhalte nicht korrekt dargestellt sind. Kurz: Ein Werbelektorat ist ein sehr kritischer Erstleser.

Demnächst in der Reihe »Werbelektorat«: Teil 2 »5 Tipps gegen Tippfehler: So lesen Sie Texte erfolgreich Korrektur.«
und Teil 3 »Sind Werbelektoren unfehlbar?«

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Die Autorin, Kerstin Schuster, ist Freie Lektorin ADB und Texterin mit Schwerpunkt Wirtschaft und Finanzen.
Kontakt: Tel. 07621 1605700, info(at)kerstinschuster.de, www.kerstinschuster.de

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